Gestirne und das Mysterium Markus Lüpertz

Der Maler präsentiert Grafiken und Skulpturen in der „Galerie an der Zitadelle“, die ihr 25-jähriges Bestehen feiern kann.

Foto und Text: Burkhard Giesen

Gilt als bedeutendster deutscher Maler der Gegenwart: In der Jülicher Schloßkapelle gab Markus Lüpertz Einblicke in seine Arbeit und ging der Frage nach, was Kunst in einer Event-geprägten Welt bewirken kann.

 

Jülich Dass Künstler bei Ihrem kreativen Prozess leiden, wird wenig verwundern. Man steht vor einer weißen Leinwand, Goya, Rembrandt – alle gucken zu. „Es gibt nichts einsameres“, sagt Prof. Markus Lüpertz am Freitag in der Jülicher Schloßkapelle. Lüpertz, der zur eigenen Freude gerne als bedeutendster deutscher Maler der Gegenwart betrachtet wird, präsentiert sich zur Eröffnung seiner Ausstellung „Von Göttern und Gestirnen“ in der „Galerie an der Ziatdelle“ gut gelaunt. Im Gespräch mit Heinrich Heil, Kulturreferent der Stadt Düsseldorf, gewährt er Einblicke in sein Schaffen. „Ich versuche Atmosphären zu vermitteln, Mysterien zu zeigen“, sagt Lüpertz. Da deuten sich Widersprüche an, weil der Meister der (Selbst-)Inszenierung später beklagen wird, dass Kunst heute eher als Event und Remmidemmi betrachtet werde. Lüpertz hat sich selbst erfunden, gibt zu vom „kleinen dicken Kind“, das sich entschloss, „ein schöner Mann zu werden“ und unvermeidlich hinzusetzt, dass er dabei ziemlich weit gekommen sei.

Der Torso als Stilmittel

Dabei hat er durchaus mehr zu sagen. Etwa, wenn es mit Blick auf seine Skulpturen um die Frage geht, warum der Torso so häufig in der Kunst auftauche und Lüpertz in einem einzigen Satz die Aufgabe der Kunst erklären kann: „Die Vollendung ist nicht mehr die Idee des Künstlers, sondern bezieht den Betrachter ein.“ Für den Maler, Bildhauer, Dichter und Musiker Lüpertz kommt der Kunst gerade in Zeiten, „wo selbst der Verstümmelung im Fernsehen komplett ist.“ eine besondere Bedeutng zu: „Die Malerei ist dafür da, den Meschen die Welt zu erklären“ Kleiner Haken: Die Welt muss man sich als Betrachter selbst erarbeiten. „Sie müssen sich mit dem Bild unterhalten, nicht das Bild mit Ihnen. Erst wenn ein Bild angeguckt wird, fängt es an zu leben und zu überdauern.“ Und so wechselten die Besucher aus der überfüllten Schlosskapelle in die „Galerie an der Zitadelle“ an der Düsseldorfer Straße, in der die Skulpturen, Aquarelle und Grafiken von Lüpertz noch bis zum 31. Oktober zu den Öffnungszeiten präsentiert werden. Für die Galeristen Georg, Marita und Pieter Loven zum 25-jährigen Bestehen ihrer Galerie eine besondere Auszeichung – „ein lang gehegter Traum“, wie Marita Loven verrät. Zum Betrachten der Bilder kommt man an diesen Abend kaum. Die nicht gerade kleine Galerie platzt aus allen Nähten. Dabei könnte man bei den Skulpturen bewundern, was Lüpertz zuvor erklärt hat: dass der Maler stets die Fläche sehe, während der Bildhauer ein Meister der Formen sei, und vielleicht selbst nachvollziehen, ob Lüpertz die Fläche oder die Form gestaltet hat. Oder man könnte die Grafikreihe zu den zwölf Gestirnen berachten und versuchen, sich selbst wiederzufinden. Oder sich mit den Galeristen über Kunst unterhalten. Seit 25 Jahren betreiben sie ihr Geschäft, „ein harter Job, ein bisschen wie Roulette“, sagt Marita Loven. „Man benötigt viel Idealismus und Beharrlichkeit.“ Und wer nicht gleich mit Lüpertz anfangen will, dem rät sie: „Ich würde mit einer Grafik beginnen. Die ist vom Künstler signiert und hat eine begrentze Auflage.“ gibt sie einen Tipp für Neueinsteiger.

Weitere Informationen:

Ausstellung: „Von Göttern und Gestirnen“ Skulpturen, Aquarelle und Grafiken

Künstler: Markus Lüpertz