Pressebericht zur Ausstellung „Belief“ von Patrizia Casagranda

Zeitungsartikel aus den Jülicher Nachrichten vom 02.10.2018 von Sylvia Jogodzinska

Casagranda imponierende Porträtsammlung

Deutsch-italienische Künstlerin zeigt in der Galerie Loven sechs Serien mit Frauen-Bildern. Gut besuchte Vernissage in Jülich.

Jülich. „Die Arbeiten aus der (Architektur)Biennale hängen heute hier“, betonte Pieter Loven, Junior-Inhaber der Galerie an der Zitadelle sichtlich stolz. Er interviewte die freischaffende, deutsch-italienische Künstlerin Patrizia Casagranda bei der sehr gut besuchten Vernissage ihrer Ausstellung „Frauenporträts“. Dabei handelt es sich um sechs Serien faszinierender, skulpturaler und materialbetonter Bilder mit höckerartigen Erhebungen in den Farben Rot, Blau, Gelb, Pink und Violett. Darstellungselemente sind Collage und Decollage, Malerei und Graffiti. Imposant ist der Wechsel in der Nah- und Fernwirkung auf den Betrachter.

Patrizia Casagranda im Interview mit Pieter Loven zur Ausstellung „Belief“ in der Galerie an der Zitadelle in Jülich

Warum ausschließlich Frauenbilder? „Ich finde Frauen toll“, erklärt Casagranda. Loven unterstrich die „schöne Entwicklung“ in den Arbeiten der Künstlerin von der fotobasierten Street-Art mit zerstörenden Elemente bis hin zur dreidimensionalen Rastertechnick, bestehend aus einem Materialmix aus Stoff, Gips und Farbe, die sich von der Leinwand abhebt. Auf Anfrage berichtete Casagranda von ihren Schablonen, durch die sie in einer speziellen Technik „Gips mit Farbpigmenten durchdrückt“. Aus ihrem Themenspektrum hob sie zwei Schwerpunkte hervor: Bildschöne indische Müllsammlerinnen vom Stamm der Kalbelia, die die Künstlerin bei ihren drei Aufenthalten jährlich in Nordindien trifft. Casagranda verarbeitet in ihren Werken in dominierenden Rot raue Materialien wie Jute, alte Saris oder auch Schuhkartons, die die Müllsammlerinnen zusammentragen. Es handelt sich um Nomaden, die als Tänzer und Musiker im sozialen Verbund leben. Ein weiterer Akzent legte die Künstlerin auf ihre neue Serie „Belief“ in dominierenden Blau, die ein wenig an Banknoten erinnert. In sechs Porträts von Frauen verschiedener Weltreligionen und Kulturen – Buddhismus, Shintoismus, Christentum, Islam, Judentum und Hinudismus – beschäftigt sie sich „mehr mit den Gemeinsamkeiten als mit den Unterschieden“. In der imponierenden Sammlung der Frauenporträts ist auch ein Gedicht auf rotem Karton zu finden, das zu Casagrandas Thematik passt, und das Loven am Ende seines Interviews vorlas: „Aus der Tiefe meines Herzens bis zur Lücke in meinem Gehirn vom Mangel an Barmherzigkeit und Empathie, weil ich einfach nicht genug getan habe, obwohl ich mehr tun könnte, wir alle verharren in unseren Standpunkten farbenfroher Privilegien, scheinbar auf den Wechsel wartend, der niemals kommen wird, wenn wir sitzen bleiben.“ Ein besonders schönes Lob für die „Galerie an der Zitadelle“ sprach Karl-Heinrich Herzogenrath aus Linnich: „Die Familie bringt durch die Galerie Niveau in die Stadt.“

Weitere Informationen:

Vernissage Patrizia Casagranda

Künstlerin Patrizia Casagranda

Homepage Patrizia Casagranda